Was ist wichtig?

Um alle Vorteile der Handybox auszuschöpfen, ist es wichtig, ein paar Dinge zu berücksichtigen. Teilweise sind das vermeintliche Kleinigkeiten, die jedoch zusammen wie Puzzleteile ein großes Ganzes ergeben und die Stärken der Box voll ausspielen.


Bereits die Ankündigung der Handybox hat eine große Bedeutung. Die Tatsache, dass mit dem Ritual erst in der nachfolgenden Stunde begonnen wird, ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, sich auf die Situation einzustellen. Ohne an dieser Stelle auf wissenschaftliche Quellen zurückzugreifen, ist relativ deutlich, dass das Smartphone bei der aktuellen Schülergeneration eine herausgehobene Bedeutung hat. Es scheint starken Einfluss auf die Definition der eigenen Persönlichkeit zu haben und scheint einen Teil des individuellen Identifikationsrahmens zu bilden. Möglicherweise ordnen die Schülerinnen und Schüler zumindest teilweise ihr Smartphone ihrer engeren Intimsphäre zu. Hier ist also besondere Sensibilität gefragt.

 

Bereits mit der Ankündigung drückt die Lehrkraft das erste Mal aus, dass sie diese Bedeutung akzeptiert. Ebenso kann sie deutlich machen, dass sie durchaus Verständnis für die mangelnde Begeisterung seitens der Schülerinnen und Schüler hat. Formulierungen wie „Ich habe in dieser Klasse etwas vor, was euch ein bisschen weh tun wird. …“ oder „Ich möchte etwas einführen, das euch vielleicht nicht begeistern wird.“ können eine solche Botschaft transportieren.

 

Auf die besondere psychologische Bedeutung der Verfügbarkeit bzw. eben der Nicht-Verfügbarkeit des eigenen Smartphones nimmt die Lehrkraft Rücksicht, indem sie eine Ausnahmeregelung mit ankündigt. Wünscht der Betrieb die außerordentliche Erreichbarkeit der Auszubildenden oder liegen andere möglicherweise private Ausnahmesituationen vor, so bietet die Lehrkraft den Schülerinnen und Schülern an, dass sie ihr Smartphone mit vorheriger Absprache für die Unterrichtseinheit behalten können. „Wenn Sie für Ihren Betrieb erreichbar sein müssen, sagen Sie mir vorher Bescheid. Dann können Sie Ihr Handy behalten.“ Oder: „Sollte z.B. ein Familienmitglied im Krankenhaus liegen, können wir mit vorheriger Absprache eine Ausnahme machen.“ Die Erfahrung hat gezeigt, dass allein diese Ankündigung für sichtbare Entspannung bei den Schülerinnen und Schülern sorgt. Ebenso hat die Erfahrung interessanterweise gezeigt, dass diese Ausnahmeregelung dann sehr, sehr selten in Anspruch genommen wird.

 

Zusätzlich sollte die Lehrkraft unterstreichen, dass ausnahmslos niemals Einblick in das Smartphone genommen wird. „Auch wenn ich Ihre Smartphones einsammle, würde ich dennoch niemals einen Blick auf Inhalte werfen. Darauf können Sie sich jederzeit verlassen.“ Oder „Mir ist besonders wichtig, dass ich Ihre Privatsphäre jederzeit respektiere. Niemals würde ich in Ihr Handy schauen.“ Den Schülerinnen und Schülern wird darüber hinaus schnell nach wenigen Unterrichtseinheiten klar, dass die Lehrkraft das Handy nicht einmal berührt. Stattdessen legen sie es selbst in die Box. Eine Box, die äußerlich gern einer Schatztruhe ähnlicher sehen darf als dem Transportkarton vom Kopierpapier. Dieser Ausdruck von Anerkennung der besonderen Bedeutung des kleinen Gerätes für die Schülerinnen und Schüler trägt möglicherweise stark zur Akzeptanz der Handybox bei. Die Akzeptanz lässt sich scheinbar noch erhöhen, wenn sich die Lehrkraft die Zeit nimmt, das ein oder andere – vielleicht neueste - Handy kurz anerkennend zu würdigen. Wem das allerdings zu weit geht, wird auch ohne Erfolg haben.